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“Liebe Leute, das habt ihr falsch angefangen”

  • Artikelbild: Wolf Schneider über Blogs und Social Media: "Journalisten haben gerade eine so wichtige Aufgabe wie noch nie, nämlich Ordnung zu schaffen und zu überprüfen: Kann das stimmen und muss das dringend verbreitet werden?" - Foto: privat

    Wolf Schneider über Blogs und Social Media: “Journalisten haben gerade eine so wichtige Aufgabe wie noch nie, nämlich Ordnung zu schaffen und zu überprüfen: Kann das stimmen und muss das dringend verbreitet werden?”

Wie man gut und lebendig schreibt, erklärt Sprach- und Medienkritiker Wolf Schneider nun den Bloggern

“Es wird etwas nicht automatisch gelesen, weil es geschrieben worden ist”, richtet Wolf Schneider den Bloggern im derStandard.at-Interview aus. “Wenn sie denn gelesen werden wollen, müssen sie sich ein wenig plagen und ein paar Regeln befolgen”, so der Sprach- und Medienkritiker. Wie man gut und lebendig schreibt, erklärt Schneider im neuen Buch “Deutsch für junge Profis”. Mit Saskia Jungnikl sprach er über Facebook und Twitter als Recherchequelle, Online-Journalismus, die Veränderung der Sprache und sein Videoblog auf sueddeutsche.de.

derStandard.at: Sie sind 84 und schreiben ein Buch für “junge Profis”. Heißt das, allen sprachlichen Veränderungen zum Trotz bleibt die Basis des Schreibens immer gleich?

Wolf Schneider: Die Basis bleibt sich wenigstens dann gleich, wenn man gelesen werden möchte. Die Bibel ist so geschrieben und so übersetzt, dass man sich heute eine Scheibe abschneiden könnte. Die Grundzüge einer lebhaften Kommunikation bleiben unverändert. Einzelheiten ändern sich.

derStandard.at: Sie schreiben in Ihrem Buch, zwischen Journalisten und Bloggern herrsche Krieg. Wertet der Blogger die Arbeit des Journalisten ab?

Schneider: Dafür gibt es viele Indizien. Viele Blogger verachten in der Tat Journalisten, weil diese auf ihren Pfründen sitzen, und die Blogger fühlen sich schneller, moderner und unabhängig davon, dass die Journalisten die Informationen erst filtern müssen.

derStandard.at: Sie haben in einem Interview gesagt, Sie hätten Mitleid mit den Bloggern. Sollten sich die meisten lieber ein paar Freunde suchen, als ihre Befindlichkeiten im Netz auszubreiten?

Schneider: Mitleid ist ein starkes Wort. Es ist offenkundig, dass viele Blogger zufrieden damit sind, dass sie etwas geschrieben haben, das die Chance hat, von irgendjemandem einmal gelesen zu werden. Für viele liegt also die Selbstdarstellung im Vordergrund. Früher gab es das nicht, da hätte man jemanden einen Brief schreiben sollen, oder tausend Briefe. Aber offenkundig haben sehr viele der Blogger die Hoffnung oder das Bestreben, dass sie nicht nur geschrieben haben, sondern auch gelesen werden. Und da kann man sagen, in neun von zehn Blogs, die ich mir so aus dem Netz fische, denke ich mir: Liebe Leute, das habt ihr falsch angefangen. Es wird etwas nicht automatisch gelesen, weil es geschrieben worden ist. Wenn ihr damit anfangt, dass euch der Kaffee heute nicht so gut schmeckt wie gestern, so muss man davon ausgehen: Den zweiten Satz in diesem Text will keine Sau mehr lesen.

derStandard.at: Was ist ein guter Blog?

Schneider: Das ist eine Qualitätsfrage, die ich in dieser Form nicht beantworten kann. Mir geht es immer nur darum: wie muss ein Text beschaffen sein, damit er das statistisch Unwahrscheinliche erreichen kann, nämlich gelesen zu werden. Journalisten leben damit, dass es die Ausnahme ist, dass ein Dreispalter in einer Zeitung bis zum letzten Satz gelesen wird. Dieses Übergewicht des Geschriebenen über das Gelesene hat sich dramatisch verstärkt. Demzufolge haben Blogger hier noch mehr Grund darüber zu grübeln: Wenn sie denn gelesen werden wollen, müssen sie sich ein wenig plagen und ein paar Regeln befolgen. Und darin ermutige ich sie und diese Regeln nenne ich ihnen.

derStandard.at: Viele Redakteure nutzen bereits Facebook und/oder Twitter als Recherchequelle. Was ist dabei der Vorteil, worin liegt die Gefahr?

Schneider: Der Vorteil ist, dass man an viele Informationen herankommt, die man so früher nicht hatte. So hat der neue Chefredakteur der deutschen Nachrichtenagentur dpa vernünftigerweise gesagt, Blogs und Twitter müssen wir sichten: Da ist eine Riesenmenge an Informationen im Netz, aber nun müssen wir wägen und sortieren. Die bloße Tatsache, dass aus diesem Blog etwas kommt und wenn es auch aus China kommt, besagt noch nicht, dass es etwas mit der Wahrheit zu tun hat. Dass man Lügen und Irrtümer hier vollkommen ungefiltert verbreiten kann, ist eine große Gefahr. Deswegen haben Journalisten gerade eine so wichtige Aufgabe wie noch nie, nämlich Ordnung zu schaffen und zu überprüfen: Kann das stimmen und muss das dringend verbreitet werden?

derStandard.at: Sehen Sie diese Aufgabe erfüllt?

Schneider: Normalerweise gehen Journalisten mit den Blogs überhaupt nicht um. Das ist ja eine Ausnahme, wie es die dpa macht. Viele Journalisten sind hochnäsig oder haben nicht die Zeit. Es ist ein Rohstoff, an dem die eigenen journalistischen Tugenden ansetzen müssen.

derStandard.at: Ist Spiegel Online der einzige Online-Journalismus, den Sie verfolgen?

Schneider: Ja, aber das ist kein Werturteil über die anderen. Ich kann halt nicht alles lesen. Spiegel Online bietet guten Journalismus, der sich nicht wesentlich von der gedruckten Ausgabe unterscheidet.

derStandard.at: Sie glauben, dass die Tageszeitungen aussterben werden: Sollte einem das wehtun?

Schneider: Mir natürlich, als einem alten Zeitungsmenschen. “Aussterben” meine ich auch nicht, sondern, dass sie es schwer haben werden zu überleben. Eine häufige Prognose, die mir auch psychologisch einleuchtet, lautet: Wochenzeitungen werden es leichter haben. Die Zahl der Menschen, die, nachdem sie sich täglich schnell im Internet informiert haben, einmal pro Woche Hintergrundinformationen lesen wollen, wird größer sein als die, die täglich neben der Internetnutzung auch noch ein halben Pfund Papier auf dem Tisch haben wollen.

derStandard.at: Der Verein Deutsche Sprache sieht eine “Affensprache” kommen, eine Verflachung unserer Sprache. Sehen Sie eine solche Entwicklung?

Schneider: “Affensprache” ist ein Wort, das ich niemals wählen würde. Alles in allem ist es unstreitig, dass es mit der Sprachkultur zurückgeht, soweit es die Menge der Menschen angeht, die sie haben. Ich bilde seit dreißig Jahren Journalisten aus, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und die Zahl der Leute, die noch korrekte Grammatik schreiben, die noch korrekte Zeichensetzung verwenden können, sinkt. Meine Prognose lautet: Wir werden wieder etwa zum Stand der Goethe-Zeit zurückkommen, als die Zahl der Menschen, die gutes Deutsch schrieben und gerne lesen wollten, ein Zehntel so groß war wie heute.

derStandard.at: Wer wäre eigentlich in der Verantwortung, Kindern, Heranwachsenden den Umgang mit der Sprache beizubringen?

Schneider: Oh Gott, in der Verantwortung wären Eltern und Lehrer. Wäre der Computer nie erfunden worden, hätten wir wahrscheinlich besseres Deutsch. Aber wer hat die Verantwortung?

derStandard.at: Der hohe Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund verändert auch die Sprache. Vor allem unter Jugendlichen ist es modern, ein Deutsch zu verwenden, das sich an keine grammatikalischen Regeln hält. Wie geht es Ihnen damit?

Schneider: Ich habe leider wenig Kontakt dazu. Ich merke mitunter in der U-Bahn oder lese allerlei darüber, dass auch 15-Jährige, die zwar Deutsch als Muttersprache haben, ihre Sprache dementsprechend ändern. Aber was ich wirklich beurteilen kann, ist die Kenntnis von jungen Berufsschreibern. Was bei denen passiert, das weiß ich genau.

derStandard.at: Wer spricht das bessere Deutsch, die Deutschen oder die Österreicher?

Schneider: Da erkenne ich keine regionalen Unterschiede. Die Probleme der 20- bis 25-Jährigen, mit denen ich beinahe hauptberuflich umgehe, sind in allen drei deutschsprachigen Ländern die gleichen.

derStandard.at: Gibt es ein österreichisches Deutsch?

Schneider: Naja: Es gibt ja den Paradeiser und so weiter. Das geschriebene Deutsch - von einigen Unterschieden im Wortschatz abgesehen - unterscheidet sich im gesamten deutschen Sprachraum nicht.

derStandard.at: Wäre es notwendig, Kindern eine gewisse Mediengewandtheit beizubringen? Ein Wissen, wie man Medien konsumieren sollte?

Schneider: Wer soll das machen? Das Entscheidende wäre, ein bisschen Misstrauen gegen den Computer. Das Entscheidende wäre, dass es noch Familien gäbe, bei denen man jeden Abend eine Stunde mit den Kindern beim Abendessen sitzt und in der Zeit kein Fernsehapparat oder Computer laufen darf, sondern geplaudert wird.

derStandard.at: Verändert sich die Sprache und das Lesen durch die Verlagerung ins Internet?

Schneider: Ja, insofern als ein sorgfältiger Umgang mit der Sprache immer seltener wird - als es für jeden erlaubt ist, irgendetwas in seinen Computer zu schreiben und das geht dann in die Welt hinaus. Sprachprodukte, die besonders schwach, langweilig oder schlecht sind, in die Welt hinaus zu lassen - das gab es früher nicht.

derStandard.at: Sie sagen, die “Bild”-Zeitung ist ein Beispiel für brillante Sprache…

Schneider: “Brillante” nicht. Nein. Was mich an der “Bild”-Zeitung stört, sind die Stoffe, über die sie schreibt. Ich will niemals etwas über Oliver Pocher und seine Freundin lesen, aber wenn ich davon absehe, bedienen sie sich eines sauberen, gut verständlichen und grammatisch korrekten Deutsch. Es gibt Texte, die könnten genauso gut bei Luther, bei Goethe oder der “Bild”-Zeitung stehen - und das sind dann gute Texte. Sie ringen um den Leser. Wenn sie es als Zeitung fertig bringen, was wir alle wollen, nämlich gelesen zu werden, verdient das auf jeden Fall einmal Respekt. Mit der Qualität dessen, was sie berichten, hat das nichts zu tun.

derStandard.at: Hans Dichand, der Herausgeber der Kronen Zeitung, hat einmal gesagt, man müsse dem Volk ein klein wenig voraus sein, aber nicht zu weit, so dass es noch nachkommt.

Schneider: Wir alle mögen es ja, mit einer Sprache umzugehen, die etwas komplizierter ist, als unsere eigene. Kleine Kinder lieben Gedichte und könnten selbst keine machen. Ob das die Kronen Zeitung schafft, kann ich nicht beurteilen. Ich habe kein starkes Bedürfnis Herrn Dichand nach dem Munde zu reden, aber ich glaube, er hat tendenziell recht.

derStandard.at: Sie waren vorwiegend Print-Journalist und machen jetzt einen Videoblog auf sueddeutsche.de. Nun hat man das Gefühl, immer mehr Printjournalisten lesen Ihre Texte als Videoblog ab. Reicht das - bzw. was macht einen guten Videoblog aus?

Schneider: Ich sehe hier keinen grundsätzlichen Unterschied - sieht man von einer Live-Sendung ab. Wir hören ja immer. Die Schrift ist eine späte Zutat zur Sprache. Wir setzen sie während des Lesens in unserem inneren Ohr um. Man muss immer einfach Sätze liefern, ob für das Reden oder für das Schreiben. Das Nicht-zurück-Hören-Können des Hörers entspricht zu 98 Prozent dem Nicht-zurück-Lesen-Wollen des Lesers. Ich denke doch gar nicht daran, einen Satz in der Zeitung zweimal zu lesen, weil ich ihn nicht verstanden habe. (Saskia Jungnikl, derStandard.at, 6.4.2010)

Zur Person: Wolf Schneider ist Autor zahlreicher Sachbücher (“Deutsch für Profis”, “Deutsch für Kenner”). Er war Korrespondent der “Süddeutschen”, Verlagsleiter des “Stern”, Chefredakteur der “Welt” und langjähriger Leiter der Hamburger Journalistenschule.

Im neuen Werk “Deutsch für junge Profis”, erschienen im Rowohlt-Verlag, verhilft Schneider Bloggern “in 32 kleinen Schritten zum klaren, verständlichen Deutsch”. Im Kapitel “Blogger contra Journalisten” erklärt er, wie Amateurschreiber und Profis voneinander lernen könnten: “die Journalisten etwas lockerer, origineller, unbürokratischer - die Generation Internet drastisch mehr um Sprach-Ökonomie bemüht -, beide verbündet in dem Wissen: Mit links läuft gar nichts, ein bisschen Mühe muss sein, gelesen zu werden ist die Kunst aller Künste.”

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Erleuchtender
08.04.2010 10:35
Falsch anstatt fade ist auch nicht besser!
Rade Kutil
07.04.2010 17:28
Wiederholungen

Hier dazu passend ein etwas wiederholungsreicher Artikel über wiederholungsreiche Artikel:

http://meinews.niuz.biz/de-t357498.html

loundy 
07.04.2010 15:28
tolles interview, aber bei dem satz irrt sich der mann…

“Sprachprodukte, die besonders schwach, langweilig oder schlecht sind, in die Welt hinaus zu lassen - das gab es früher nicht.” doch, unterberger hat früher mit seinen texten schon zeitungspapier verschmutzt und heute halt das internet.
“früher hätts das net gegeben” stimmt also so nicht, früher warens halt nur nicht so viele schmutzfinkerl…

gilbmilb 
09.04.2010 02:28
Unterberger ist eh überbewertet.
Mucosaprolaps
07.04.2010 17:00

“Besonders schlechte Sprachprodukte” sind nach Ansicht dieses Herrn nicht verkaufsfördernd? Da kennt er unser Land nicht, wo die dümmsten Kommentare sich am besten verkaufen, ob nun Amanda Klachl aus der Kleinen Zeitung, diverse Schmierzeichnungen und Kommentare von langhaarigen Alkoholikern und greisen, von Machtgeilheit gezeichneten Bossen in der Krone usw..

Österreicher erwarten von Zeitungen offenbar weder akkurate Berichte noch gute Sprache oder erträglichen Humor, sondern möglichst kurze Sätze, für den Dümmsten verständliche Schwarzweißmalerei und ein paar Drüsen auf Seite 3.

sirnicha
07.04.2010 16:35
er meint früher

und nicht das bisserl unterberger…

root66
07.04.2010 14:02
“Das Entscheidende wäre, ein …

… bisschen Misstrauen gegen den Computer.”

Dieses Misstrauen ist leider bei allen Medien angebracht!

t-bonesteak 
07.04.2010 20:43
nicht bei allen

denn: es gibt da so ein paar seiten im netz, da sagen ihnen die experten für eigentlich eh alles, wie der hase läuft. egal ob sich um 9/11, die pharmaverschwörung oder die beherrschung der medien (eigentlich der ganzen welt) durch ein paar hundert mann handelt. wirklich. denn diese selbsternannten robin hoods, mahatma gandhis und martin luther kings haben den vollen durchblick *lol*

Arnold Layne 
12.04.2010 03:45
schon wieder…

bitte keine 9/11 diskussion, dann müssten Sie nämlich architektur bzw. statik studiert haben um mit den zahllosen architekten von www.ae911truth.org würdig zu sein. ps.: aber Sie sind der vor dem pc-hockende, durchblickende experte, den Sie so oft anprangern. ein möchtegern “gunkl”…

Super Sharp Shooter
07.04.2010 12:59
endlich können sich die silbenklauber fetzn!

runterscrollen und genießen.

marc bygones
07.04.2010 12:36

Der sieht aus wie Blake Carrington.

Baer8
07.04.2010 12:14
Soll ein Artikel gelesen werden gelten ebenfalls gewisse Regeln die Herr Schneider nicht kennen dürfte…
haghag 
07.04.2010 12:08
armer thomas mann, armer thomas bernhard

usw. usw.:”Man muss immer einfach Sätze liefern, ob für das Reden oder für das Schreiben.”, ” Ich denke doch gar nicht daran, einen Satz ……… zweimal zu lesen, weil ich ihn nicht verstanden habe.”
na gut, man kann literatur auch so sehen, und die literaten in der bildzeitung vermuten.

skidoo23
07.04.2010 15:39
Ein Könner darf alles

das betont der Autor auch, (im Buch, das ich gelesen habe) aber um frei improvisieren zu können sollte man die Regeln beherrschen, das ist in der Literatur nicht anders als in der Musik.

Chuckpala
07.04.2010 12:37

Es geht um Zeitungsartikel, nicht um Literatur. Das “in der Zeitung” haben Sie ja schön ausgespart.

Odette
07.04.2010 12:36
“einen satz in der zeitung…”

das ist ein unterschied zu literatur

Fritz Iversen
07.04.2010 11:58
Etwas fehlt

Blogs sind ursprünglich “Internet-Tagebücher”. Beinahe etwas Intimes. Da strömen die Worte vom Herzen her in die Tastatur. Oft wunderbar, vor allem Frauen können das. Die selbsternannten Chef-Kommentaren - da führen die Männer - schreiben dagegen meist wirklich unbeholfen, im akademischen Diskutierstil, die Gedanken kaum sortiert, renommiersüchtig. Trotzdem: Blogs brauchen eine persönliche Handschrift. Man will dort Meinungen und Berichte von “echten” Menschen lesen. Ungekünsteltes. P. Krugman schreibt in der NYT und hat eigenen Blog - das sind 2 Welten. Die “Gesprächigkeit” beim Schreiben will aber auch gelernt sein. Schneider’s Basisregeln können viel helfen. Es muss aber noch etwas hinzukommen: Klare Gedanken + Tucholksky vielleicht?

aereo
07.04.2010 15:12

Dass der ‘akademische Diskutierstil’ von Kommentatoren ‘Gedanken kaum sortiert’, die ‘überströmenden Herzen’ von Blogerinnen dies aber schon tun kommt mir allerdings eher unlogisch vor.

Fritz Iversen
07.04.2010 17:37
Guter Punkt, aber …

… ein Irrtum. Tagebücher und persönliche Briefe schreiben sich fast automatisch gut, wenn der Schreiber wenig überlegt, sondern ganz seinem Erleben folgt. Solche Text sind immer nah am Einfachen, Bildhaften und farbigen, emotionalen Ausdruck. “Chef-Kommentatoren” wollen dagegen überzeugen. Da kommen Folgerichtigkeit der Argumentation, Verständlichkeit etc. ins Spiel. Schreiber, die z.B. auf der direkten emotionalen Ebene Fantastisches zustande bringen, können daher durchaus drastisch versagen, wenn sie einen schlauen “Sachtext” schreiben oder ins journalistische Fach wechseln. Das sind unterschiedliche Disziplinen, und natürlich gibt es gerade in den Blogs jede Menge persönlicher Mischungen. W.S. sagt nur etwas zu den “Journalisten”.

aereo
07.04.2010 17:58

Wir sind eh einer Meinung. Nur könnte man annehmen daß es eine der Stärken von Kommentatoren wäre ‘Gedanken zu sortieren’.
Ich hab ja mit Schreiben nichts zu tun. Was unterscheidet etwa (strukturell) einen Blog von einer täglichen Kolumne? Da kommt doch der Journalist in etwa auf derselben Schiene daher.

Miss Deutung
07.04.2010 11:28

“Die Basis bleibt sich wenigstens dann gleich”

Ein bisserl über-reflexiv, der Herr Sprachkenner. ^^

Dance
07.04.2010 13:01

Hm?

I tät sagen: umgangssprachlich.

gilbmilb 
07.04.2010 11:26
Lieber Herr Schneider, das haben Sie falsch angefangen.

Da Bibel und Luther hier in Bezug auf einfache und klare Sprache empfohlen wird, ein Zitat aus Johannes 17;9-12 (Lutherbibel 1912): 9 Hier ist der Sinn, der zur Weisheit gehört! Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt, und sind sieben Könige. 10 Fünf sind gefallen, und einer ist, und der andere ist noch nicht gekommen; und wenn er kommt, muß er eine kleine Zeit bleiben.
11 Und das Tier, das gewesen und ist nicht, das ist der achte und ist von den sieben und fährt in die Verdammnis.
[Da meine weiteren Kommentare entweder ganz abgelehnt werden oder länger als eine Stunde zur Freischaltung benötigen, verzichte ich darauf. Der Text spricht aber für sich.]

pearlwhitelilly
08.04.2010 17:52

Ich empfehle Ihnen, eine andere Übersetzung zu lesen, die sich der heute gängigen Sprache bedient, z.B. “Hoffnung für alle” oder “Gute Nachricht”

gilbmilb 
09.04.2010 02:25

Stimmt, da sind schon kleine Unterschiede festzustellen - wenngleich sich eine noch so gute Übersetzung an diese kryptische, interpretationsmäßig umstrittene Motivik halten muss. In “Hoffnung für Alle” liest sich die Passage im Übrigen so: 9 Um das zu begreifen, ist Weisheit und Verständnis nötig: Die sieben Köpfe bedeuten sieben Hügel, von denen aus die Frau ihre Macht ausübt. Zugleich sind sie auch ein Bild für sieben Könige.
10 Fünf von ihnen sind schon gefallen. Der sechste regiert jetzt, und der siebte wird noch kommen. Aber seine Regierungszeit wird nur kurz sein.
11 Das Tier, das früher da war und jetzt nicht da ist, dieses Tier ist ein achter König; und er gehört zu den sieben anderen. Auch sein Weg führt in den Untergang.

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